Nebelspalter Politik

Zivildienst: Vom Gewissenskonflikt zum Geschäftsmodell

Dies gelesen: «Wir dürfen junge Menschen nicht davon abhalten, sich für die Gemeinschaft einzusetzen.» (Quelle: SP Schweiz)

Das gedacht: Linke Populisten sind einfach zu erkennen: immer geht es um die Moral. Sie verkaufen sich als die besseren Menschen, sie retten die Welt und sind als Einzige dem Gemeinwohl verpflichtet.

Eine Haltung, der wir auch im Zusammenhang mit der Revision des Zivildienstgesetzes begegnen. Zivildienstleistende, so die Gegner der Vorlage, setzen sich für die Gemeinschaft ein. Dies im Gegensatz zu alle jenen, die statt in den Zivildienst in die Armee eingeteilt werden – so der logische Umkehrschluss.

In zweifacher Hinsicht Unsinn.

  • Erstens: Kein Einsatz für die Gemeinschaft wiegt schwerer als die Bereitschaft, im Ernstfall als Soldat für das eigene Land einzustehen.
  • Zweitens: Der Zivildienst wurde als Ausnahmeregelung für Dienstpflichtige eingeführt, die den Militärdienst nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Es geht um eine höchst persönliche Entscheidung und nicht um die Gemeinschaft.

Inflationäre Zunahme von Zivildienstleistenden

Dass die Linke im Zusammenhang mit der Revision des Zivildienstgesetzes einmal mehr auf die Moralkeule setzt, überrascht nicht. Es gibt viel zu verstecken. Hinter der edlen Fassade der Armeegegner steckt ein hohes Mass an Eigennutz.

Ein Umstand, der den starken Anstieg an Zivildienstleistenden erklärt. Im ersten Jahr nach Einführung wurden knapp 50’000 Diensttage geleistet. Heute sind es 1,9 Millionen.

Dass diese inflationäre Zunahme wenig mit Gewissenskonflikten zu tun hat, beweist die Tatsache, dass rund ein Drittel der Gesuche erst nach der Rekrutenschule eingereicht wird.

Der zentrale Motor dieser Entwicklung liegt in der fehlgeleiteten Anreizstruktur. Der Zivildienst hat sich als attraktives Geschäftsmodell etabliert – sowohl für die Dienstleistenden als auch für die Einsatzbetriebe:

Das bestbezahlte Praktikum der Welt

Wer unmittelbar nach dem Masterabschluss an einer Universität seinen Zivildienst leistet, hat Anspruch auf einen Erwerbsersatz plus Zulagen in der Grössenordnung von 5000 Franken. Basis des Erwerbsersatzes ist der ortübliche Anfangslohn.

Auch dann, wenn der betreffende Jungakademiker auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätte und höchstens eine schlecht bezahlte Praktikumsstelle finden würde – so «Le Monde Civil», die Zeitschrift des Schweizerischen Zivildienstverbandes CIVIVA.

Ein Angebot, das sich viele Schlaumeier nicht entgehen lassen. Sie verschieben den Zivildienst auf einen Zeitpunkt unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums. Der Zivildienst wird so zum bestbezahlten Praktikum der Welt.

Nicht weniger geschickt verhalten sich frischgebackene Ärzte. Zivildienstleistende, die ihre Diensttage als Assistenzärzte abverdienen, können ihren Einsatz an die Ausbildung zum Facharzt anrechnen lassen.

Die günstigsten Mitarbeiter der Schweiz

Attraktiv ist das Angebot auch für die Einsatzbetriebe. Dies zeigt ein entsprechendes Merkblatt des Bundes.

Ein Museum, das einen Masterabsolventen in Kulturwissenschaften als Zivildienstleistenden beschäftigt, muss lediglich ein Taschengeld von Fr. 7.50 sowie Spesen für die Verpflegung und die Anreise bezahlen.

Dazu kommt eine Abgabe an den Bund. Diese ist abhängig vom fiktiven Bruttolohn des Jungakademikers, dürfte aber in diesem Fall bei maximal 40 Franken pro Tag liegen.

Mehr Lohndumping geht nicht. Zivildienstleistende sind für Arbeitgeber die günstigsten Mitarbeiter der Schweiz.

Notwendige Revision des Zivildienstgesetzes

Am 14. Juni stimmt die Schweizer Stimmbürger über eine Revision des Zivildienstgesetzes ab. Mit verschiedenen Massnahmen sollen die Fehlanreize für Zivildienstleistende beseitigt werden:

  • Dazu gehört eine Mindestdauer von 150 Zivildiensttagen für alle, die nach der Rekrutenschule in den Zivildienst wechseln.
  • Der Zivildienstleistende muss jedes Jahr einen Einsatz leisten. Der Aufschub bis nach dem Studium ist nicht mehr möglich.
  • Im Zivildienst sind keine Einsätze mehr erlaubt, die ein Studium der Human-, Zahn- oder Veterinärmedizin voraussetzen.

Eine Frage der Wehrgerechtigkeit

Heute verliert die Armee durch den Zivildienst jedes Jahr die Kapazität einer Brigade. Dies ist nicht nur für die Kampfkraft, sondern auch mit Blick auf das Milizprinzip ein unhaltbarer Zustand. SVP-Nationalrat Michael Götte brachte es an der Medienorientierung des Ja-Komitees auf den Punkt:

Als Gemeindepräsident von Tübach SG beobachtete er, wie «kerngesunde junge Männer im Zivildienst Kopierpapier in Schulen verteilen und den freien Mittwochnachmittag geniessen, während ihre Kollegen in der Armee unter grosser persönlicher Belastung Dienst leisten». Mit Wehrgerechtigkeit hat dies nichts zu tun.

Erstpublikation am 5.5.2026 auf www.nebelspalter.ch

One Response

Trunz Oskar sagt:

Lieber Kurt, vielen Dank für Deine deutlichen Argumente und Darstellung dieser aktuellen Missstände bezüglich Zivildienst – bravo!
Herzliche Grüsse Oski

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