David vs. Goliath
Die Bauernlobby steckt in der PR-Falle. Mit ihrer Propagandamaschine weckt sie Erwartungen, die sie nicht erfüllen kann. Die Diskrepanz von Schein und Sein kostet Vertrauen, macht angreifbar.
Dies gelesen: «Plakate sind aber nur eine Massnahme der Kampagne von „Schweizer Bauern“. Diese umfasst zahlreiche weitere Elemente wie den 1. August‐Brunch, Messeauftritte, Stallvisite, Schule auf dem Bauernhof, die Direktvermarktungsplattform „Vom Hof“, das Online-Videoportal „BuureTV.ch“, Social Media und Internetauftritt, Mini-Broschüren sowie Werbeartikel und den Shirtshop im Edelweiss-Look.»(Quelle: Schweizer Bauernverband, https://www.sbv-usp.ch/de/von-gut-gibts-die-schweizer-bauern-zu-schweizer-bauern-von-hier-von-herzen/)
Das gedacht: Die Bauernlobby beglückt die Schweizer Bevölkerung tagaus tagein mit einer eindrücklichen PR-Lawine. Und dies aus durchaus nachvollziehbaren Gründen. Es geht um Milliarden. Die Landwirtschaft kassiert jedes Jahr 2,8 Milliarden Franken an Subventionen und Direktzahlungen. Darüber hinaus gibt es rund 470 Millionen Franken für die Produktions- und Absatzförderung und weitere 440 Millionen Franken für Strukturverbesserungen und soziale Massnahmen. Auf rund 3,7 Milliarden Franken belaufen sich laut OECD die von den Konsumenten und Unternehmen zu bezahlenden Preisaufschlägen auf landwirtschaftliche Produkte. Hinzu kommen die verpassten Chancen des Schweizer Exportsektors aufgrund nicht abgeschlossener Freihandelsabkommen, die der Bauernverband blockiert. Abschottung hat ihren Preis.
Dies alles verkauft uns die Bauernlobby mit dem ewig gleichen Bild vom glücklichen Bauern, der auf glücklichen Wiesen seine Kühe glücklich macht. Die Bauernfamilie als die lebens- und liebenswerte Antithese zur modernen Schweiz, als perfekte Verkörperung des Schweizeralpenlands. Allerdings hat man inzwischen die Bauernhoftiere in Edelweisshemden und das Kreuz im Logo der nationalen PR-Kampagne entsorgt. Dem Zeitgeist entsprechend heisst es jetzt: «Von hier, von Herzen». Regionalität ist das neue Zauberwort. Dazu gehört die unendliche Geschichte von der Ernährungssouveränität. Auch die Marketingkonzepte der Bauernlobby gehen mit der Zeit. more

